166 3,0 24V

Mein erster Alfa. Irgendwann in Sommer 2009 kam ich auf die spontane Idee, ein Alfa wäre etwas Feines. Ich habe keine Ahnung, warum ich dies dachte, jedenfalls dachte ich es. Konnte ich ahnen, dass diese Krankheit so einen rasanten Verlauf nehmen kann?

 

Was wusste ich zu diesem Zeitpunkt über Alfa Romeo? Als Bilder hatte ich den hinteren seitlichen Schriftzug der Alfetta GTV, den Schriftzug Twin Spark auf einem 916er und einen blauen Bertone eines Studienkollegen vor Augen. Letzteres Gefährt hatte diverse Beulen auf dem Dach, Fahrerseite, wenn die Karre morgens nicht ansprang, schlug er schon mal in einem Wutanfall darauf ein. Das war so um 1991, da wusste ich schon, dass man Alfa-Besitzer mit einem herzerfrischenden "Sach ma, Alfa gehört doch jetzt Fiat, oder?" erfreuen konnte.

 

Die nächsten Jahre kam ich gut ohne Alfas klar, jedenfalls hatte ich nie mehr als ein Auto. Dies sollte sich plötzlich ändern.

 

Wie gesagt, ich kam irgendwann auf diese komische Idee, ein Alfa müsste her. V6 klang gut, am günstigsten gabs den 3,0 im 166er, optisch fand ich ihn so richtig Klasse, also war das Ziel gesteckt.

 

Ich fand einen bei München. Aus den Anteilen des Gesprächs, die ich verstand, hörte ich heraus, dass es sich um ein Gefährt allererster Güte handelt. Mit einem Freund, der sich auch in der Nähe Münchens ein Auto ansehen wollte, fuhren wir los, Geld und rote Nummernschilder eingepackt, Alfa kaufen. Angekommen in einem dörflichen Idyll stand er da vor mir in seinem himbeerrot, seinen verrosteten Schwellern, seinen eingebeulten und nachgespachtelten Türen, Kotflügeln und Seitenteilen, seiner verranzten Innenausstattung, mit seinen ratternden knirschenden Stellmotoren der Sitze. Willkommen in der Welt von Alfa Romeo, dachte ich nur. Wir fuhren weiter, eine weitere verrostete Mülldose anderen Fabrikats ansehen, dann gings frustriert nach Hause.

 

Auf der Fahrt kam dann die Idee, ausgestattet mit Internet könnte man ja nochmal versuchen, auf dem Rückweg den einen oder anderen Wagen anzusehen. Einen fand ich noch, in Würzburg, auch in rot, dann rufe ich da mal an. Am anderen Ende ein junger Besitzer, der mit der Kiste irgendwie überfordert war, von diversen Werkstätten übers Ohr gehauen wurde, aber die Neuteile waren ja nun schon mal verbaut, was mir nur Recht sein sollte.

 

Der arme Kerl hatte schon eine Karte fürs Kino gekauft, aus dem wir ihn dann vor Ende der Vorstellung herausklingelten, abholten und zum Auto fuhren. Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir damit, den Wagen auf einen adäquaten Preis herunterzuhandeln. Irgendwann gegen 2 Uhr nachts schraubte ich die Schilder ans Auto und fuhr nach Hause. Ab dem ersten Moment den totalen Zusammenbruch des Autos, den Riss des Zahnriemens, Gestank aus der Lüftung und Wasser aus dem Wärmetauscher erwartend, tat er mir dann auch noch diverse Gefallen dieser Art. Bei der ersten etwas strammeren Fahrt kam dieser eklige Gestank aus der Lüftung, der eine Weiterfahrt nur bei geöffnetem Fenster möglich machte. Das war wohl seine Begrüßung, er machte das nie wieder. Dass mich jeder zweite entgegenkommende Fahrer mit Lichthupe grüßte, lag weniger an der hohen Alfa-Dichte auf der Strecke, sondern dass die Stellmotoren der Xenonscheinwerfer ihre Funktion nur in eine Richtung ausübten, nämlich nach oben.

 

Und ab hier nahm das Unheil seinen Lauf.